Frauenhandtaschen

System | 06.10.2017

“Frauen, die in Taschen wühlen,
die mit zarten Fingern fühlen,
was in dieser Schattenwelt
schlummernd sich verborgen hält:
Schlüsselbunde, Stücker drei,
Füller, Füßling, viererlei,

Lippenstifte, Läppchen, Litzen,
Spangen, Spielgeld, Spachtel, Spritzen,
Blöcke, Blusen, Broschen, Brillen,
Knebel, Knöpfe, Kopfschmerzpillen.

Drogendöschen, Dübel, Drucker,
Zwickel, Zwiebel, Zimt und Zucker,
Bratklops, Backobst, Blaubeerkuchen.
Sollten sie dann tiefer suchen:

Goethes Eckzahn, Gretchens Gift,
Urfassung der Heil’gen Schrift,
Säulenreste (ionisch? dorisch?),
Grabbeigaben, prähistorisch.

Und ganz unten auf dem Grunde
mysteriöse Knochenfunde.
Doch auch wenn sie graben, wühlen
längst vergess’ne Schätze fühlen,

fiebrig. Wenn sie sich empören,
weil sie’s angstvoll schreien hören
aus des Grabes tiefen Gründen,
ist ihr Handy nicht zu finden.”

— unbekannt